Bald auch in Niedersachsen: Trinkwasser in Flammen
August 27, 2011ExxonMobil bohrt nach “unkonventionellem Gas” in Deutschland. Ganz Deutschland? Nein, denn nur die niedersächsische Landesregierung ist bereit, Grund- und Trinkwasser aufs Spiel zu setzen. Fracking heißt die Methode, die ExxonMobil seit 2003 in Niedersachsen anwendet. Meiner Meinung nach, gibt es genug Berichte und wissenschaftliche Studien, die zeigen, wie gefährlich dieses Unterfangen ist. Einfach mal youtuben zu “Fracking Tap Water” oder in den Proceedings der American Academy of Sciences stöbern: doi 10.1073/pnas.1100682108
Anyways, es gibt großartigen und mutigen grassroots-Widerstand in den USA und in Europa. Dieser muss immer wieder gegen die Lügen, die Fracking-Lobby nach vorne drückt, ins Feld ziehen. Schade -nein, eigentlich eine Sauerei- dass solche Lügen zum Teil auch unkommentiert in spaltenlangen Zeitungsartikeln der HAZ auftauchen: “Angst vor dem Bohrer”, Hannoversche Allgemeine Zeitung, 15. August 2011. (Google sucht Euch den Artikel raus, ein “wunderschönes” Propaganda-Foto mit dem Artikel als Belohnung!)
Mein Leserbrief wurde extrem verkürzt am 27. August 2011 abgedruckt. Darin ist jeder aufklärende Versuch (Quellenangaben, Zitate, etc.) wegen Platzmangel gestrichen worden. Deswegen veröffentliche ich hier das Originalmanuskript:
Trinkwasser in Flammen
„Unkonventioneller Gasförderung“ ist eine Gefahr für Trinkwasser, Natur und Menschen. Wie kann der Konzern Exxon einfach die US-erprobte Litarnei der Gas-Lobby in Niedersachsen anbringen?
Das giftige Methangas sammelt sich um „unkonventionelle Gas-Bohrstellen“ an, wie sie jetzt in Hagen bei Neustadt geplant sind! Das veröffentlichte die Forschergruppe um Stephen Osborn (Duke University, USA) im May 2011 (Proceedings of the National Academy of Science USA, 17. Mai 2011, Seiten 8172-8176). Dennoch stellt sich Exxon-Ingenieur Dieter Sieber vor die Presse und behauptet: “Es gab auch noch nie Probleme.” (HAZ, 15. August 2011) Die Uninformiertheit bei Sieber hat scheinbar Methode: „Dennoch werde die größte Menge [der Fracking-Flüssigkeit] wieder herausgepumpt.“ Seit wann, lieber Herr Sieber, sind 20% “die größte Menge”? Von den Chemikalien, mit denen die Fracking-Flüssigkeit versetzt ist, gelangen eben nur 20% nachweislich wieder an die Oberfläche. Selbst radioaktive Stoffe treten als Verunreinigungen ins Grundwasser ein (http://www.nytimes.com/2011/02/27/us/27gas.html).
Kennen Sie Ihr Fach wirklich so schlecht, Herr Sieber, oder wollen sie AnwohnerInnen und Betroffene hinters Licht führen? Schließlich hat Ihr Unternehmen ein Millioneninteresse.
In den USA ist die Aufklärung und Verhinderung von neuen Fracking-Bohrstellen von oberster politischer Priorität. Gesetzliche Ausnahmen ermöglichten es Halliburton, ExxonMobile und Co. seit der Bush-Ära ohne Kennzeichnungspflicht für Chemikalien in Fracking-Flüssigkeit zu bohren. Diese Unternehmen müssen nicht einmal Unbedenklichkeitsnachweise für ihre Technologie erbringen. Gas im Trinkwasser ist eine bittere Realität in Pennsylvania, Colorado, Wyoming und Texas. Natur, Landwirtschaft und Grundstückswerte sind aufs Stärkste in Mitleidenschaft gezogen.
Dank fehlgeschlagener Gesetzgebung sind weite Landstriche der USA teilweise unbewohnbar. Und das ist keine Übertreibung, der Film „Gasland“ und viele Interviews mit Betroffenen geben Zeugnis von kurzlebigen Konzerngewinnen und zerstörten Trinkwasser. Innovativ, wie das niedersächsische Wirtschaftsministerium meint, ist Fracking nur für die Konzerne selber, für Mensch und Natur ist es eine riesengroße Gefahrenquelle. Mit dem Moratorium auf Fracking-Bohrungen hat die NRW-Landesregierung Niedersachsen einen Schritt voraus. Wiederum in den USA: dort wo noch keine klare Gesetzeslage vorliegt (z. B. West Virginia), drücken Gasunternehmen umso stärker: mit infamen Lügen wie „Mr. Frac“ oder durch Einflussnahme auf den Gesetzgebungsprozess.
Ein weiterer politischer Aufreger: In einer mündlichen Anfrage am 17. August 2011 im niedersächsischen Landtag kam heraus, dass ExxonMobil 2 Millionen Euro Subventionen erhält, und zwar für jede Fracking-Testbohrung, die nicht erfolgreich verläuft. Also bezahlen Steuergelder in Niedersachsen die skandalöse Methan-Anreicherung des Trinkwassers…
Posted by Fabian Czerwinski



maintains a blog that is trying to map his stumbling and courageous steps through the scientific world and the www.
The fluidity in cultural attributions and boundary work
occurs against a resilient map of authority. The authority of place plays a non-negligible
role in contests of credibility. (Tiago Mata, "Migrations and Boundary Work: Harvard, Radical Economists, and the Committee on Political
Discrimination," Science in Context 22, 115-143 (2009))